INHALTSVERZEICHNIS N. 20 - 1/2016

Die ‘Simmel Studies’ – Eine Rückbesinnung zum 20. Jahrgang[Record]

  • Otthein Rammstedt

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Otthein Rammstedt Die ‘Simmel Studies’ – Eine Rückbesinnung zum 20. Jahrgang Es war eine verrückte Idee, als 1990 in der Bielefelder Simmelforschungs-Gruppe plötzlich die Rede davon war – ich meine, die Idee stammte von Gerhard Wagner -, eine Simmel-Zeitschrift herauszugeben; parallel zur ‘Georg Simmel Gesamtausgabe’ (GSG), die 1989 mit der Herausgabe von drei Bänden gestartet war, sollte die Simmel-Zeitschrift lanciert werden – und das erschien uns damals im Moment berechtigt und attraktiv. Zwar erinnerte ich in der einsetzenden Diskussion aus meiner Frankfurter Vergangenheit an Max Horkheimer, der Anfang der 1950er Jahre aus Angst vor einer Verzettelung von Kräften den Überlegungen dem Plan entgegengetreten war, daß die neu konstituierte Frankfurter Schule auch die ‘Zeitschrift für Sozialforschung’ wieder herausgeben müsse. Aber das Argument konnte die euphorische Stimmung in der kleinen Bielefelder Simmel-Forschungsgruppe – sie wies über all die Jahre ständig ca. ein Dutzend Mitglieder auf – nicht trüben, passe doch eine Simmel-Zeitschrift in den Progreß der Simmel-Akzeptanz: sie stehe für diesen Vorgang im akademischen Bereich, könne über ihn berichten, ihn transparent machen und zugleich ihn damit fördern. “Georg Simmel is booming, no doubt”, so begann dann auch das Editorial im Eröffnungsheft unserer Zeitschrift im Sommer 1991; daran glaubten wir und meinten, mit unseren Aktivitäten in den 80er Jahren dazu energisch beigetragen zu haben: Die von uns im Zentrum für interdisziplinäre Forschung an der Universität Bielefeld organisierten internationalen Simmel-Tagungen 1982 und 1984 waren erfolgreich und die bei Suhrkamp erschienenen Tagungsbände ‘Georg Simmel und die Moderne’ 1984 und ‘Simmel und die frühen Soziologen’ 1988 wurden ebenso stark beachtet wie Simmels von uns edierten und dem Vergessen entrissenen ‘Schriften zur Soziologie’ 1983 (die fünf Auflagen erlebte) und ‘Schriften zur Philosophie und Soziologie der Geschlechter’ 1985. Und dann erst der Start der GSG, deren einzelne Bände alle in der Presse - teils euphorisch - begrüßt wurden. Wir fühlten den Erfolg und meinten, an dem Erfolg teil zu haben. Und er korrumpierte uns bei der Entscheidung für die Zeitschrift. Daß eine Simmel-Zeitschrift bei dem Verlag erscheine, bei dem auch die Simmel-Gesamtausgabe herauskam, schien uns selbstverständlich; und um so größer war die Enttäuschung, als nach einer anfänglichen – wenn auch zaudernden – Zustimmung dann mit Verweis auf verlagsinterne Probleme eine definitive Absage erfolgte. Und als auch noch zwei andere Verlage abwinkten, beschloß man in der Bielefelder Simmelgruppe die Zeitschrift selbst zu produzieren, und zwar in Form eines halbjährlich erscheinenden Newsletters, der schnell und einfach machbar sei - wie wir glaubten. Für diese Entscheidung sprach, daß zum einen der Newsletter auf DIN A4, in der Universität kopiert und geheftet so billig werde, daß selbst Studenten sich die Simmel-Zeitschrift leisten könnten; und um das noch zu forcieren, entschieden wir, den ‘Simmel Newsletter’ (SNL) zum Selbstkostenpreis anzubieten; zum anderen könne ein Newsletter schneller erscheinen als eine der gängigen wissenschaftlichen Zeitschriften, und das schien uns relevant, wollten wir doch immer möglichst aktuell den schnellen Fortschritt der akademischen (Wieder-)Akzeptanz Simmels dokumentieren. Organisatorisch wurde festgelegt, daß für die Akquirierung und Begutachtung von Beiträgen die Herausgeber (editors in chief), für die Erstellung des druckfertigen Manuskripts die Redakteure (managing editors) zuständig waren; und zu unserem Glück fand sich meine Sekretärin, Frau Schubert, bereit, Buchhaltung und Versand für die Zeitschrift zu übernehmen. Als Träger des SNL bot sich die 1988 in Bielefeld gegründete ‘Georg Simmel Gesellschaft e. V.’ an, die auch als juristische Person mit dem Suhrkamp Verlag den Vertrag bezüglich der GSG geschlossen hatte. Die Zeitschrift war also Organ der Simmel-Gesellschaft, was die Selbstverpflichtung der Zeitschrift gegenüber der Simmel-Ausgabe organisatorisch verankerte. Das vermittelte dem SNL von vornherein eine gewisse Professionalität – und auch Gediegenheit. Und für diese Verbindung stand ich als Person, der als gewählter Präsident der Simmel Gesellschaft wohl anfangs als Galeonsfigur für den Newsletter verstanden ...

Appendices